Über GC zu Aubameyang – Yoric Ravet träumt von Dortmund

Seit Yoric Ravet seine Heimat Frankreich in Richtung Schweiz verlassen hat, läuft es für den 26-Jährigen ausgezeichnet. Mit sechs Toren und fünf Vorlagen ist der Stürmer auch in dieser Saison fester Bestandteil derso erfolgreichen GC-Offensive.
Es ist der 31. August 2013. In letzter Sekunde einigen sich der französische Erstligist AS Saint-Étienne und der damalige Super-League-Verein Lausanne-Sport auf den Transfer des damals 23-jährigen Yoric Ravet. Ein Wechsel, den sich vor allem der Franzose nach der schweren Zeit in seiner Heimat herbeigesehnt hat.

Im Alter von viereinhalb Jahren beginnt Ravet in der Studentenstadt Grenoble mit dem Fussballspielen. Mit 18 Jahren debütiert der Rechtsfuss, der neben der Fussballkarriere auch eine Ausbildung als Detailfachmann abgeschlossen hat, für den FC Grenoble in der Ligue 1 und absolviert drei Spiele für die U20-Nationalmannschaft Frankreichs.

Dem grossen Durchbruch scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Doch mit dem Abstieg und der Insolvenz von Grenoble und dem anschliessenden Transfer von Ravet zu Saint-Étienne beginnt für das junge Talent eine harte Leidenszeit.

Yoric Ravet stellt sich vor:

Zahlreiche Verletzungen werfen Ravet zurück, und auch wenn er fit ist, darf der ungeduldige Stürmer sein Können unter Trainer Christophe Galtier bei Saint-Étienne nicht zeigen. «Ich gebe zu, dass ich damals nicht alles gegeben habe, um mich durchzusetzen», analysiert Ravet heute.

Nach nur vier Einsätzen im ersten Jahr lässt sich Ravet zum SCO Angers in die Ligue 2 ausleihen. Dort darf der Stürmer zwar spielen, ist aber dennoch unzufrieden: «Die harte und defensiv geprägte Spielweise in Frankreich vor allem in der Ligue 2 entspricht nicht meinem Naturell.
Ich gewinne lieber 5:4 als 1:0. In der Schweiz wird offensiver gespielt und ich habe mehr Platz. Das gefällt mir», sagt Ravet. Darum erfolgte 2013 der Wechsel in die Romandie. Ein Neustart.

Mit Laurent Roussey trifft Ravet in Lausanne auf einen Trainer, der ihm gleich das Vertrauen schenkt, und der Franzose zahlt dieses mit Leistungen zurück. Neun Tore und zehn Vorlagen gelingen Ravet in seiner ersten Super-League-Saison, in der er nach seinem Transfer kein einziges Spiel mehr verpasst.

In jeder Partie auf dem Feld

Ravet kennt die Gründe, warum er sich nicht mehr verletzt: «Ich bin durch den Wechsel reifer geworden, habe meine Ernährung umgestellt und gebe meinem Körper die benötigten Ruhepausen. Das war nicht immer so. Auch die Arbeit mit den Konditionstrainern in Lausanne und jetzt bei GC haben mir sicherlich geholfen.»

Trotz Dauerläufer Ravet kann Lausanne den Abstieg in die Challenge League nicht verhindern, weshalb er nach nur einer Saison auf der Pontaise den Schritt in die Deutschschweiz wagt. Auch bei GC ist Ravet sofort Stammspieler und Leistungsträger.

Mit 15 Skorerpunkten leistet der Franzose in der vergangenen Saison einen wichtigen Beitrag zum Nicht-Abstieg der Hoppers, und auch in dieser Spielzeit hat Ravet in 14 Spielen bereits sechs Tore erzielt und fünf weitere vorbereitet.

Ravet fühlt sich in Zürich wohl. «Die Stadt hat alles, was man braucht. Das ist kein Vergleich zu Saint-Étienne, Angers oder Lausanne. Neben meiner Heimat Grenoble, wo meine Familie nach wie vor wohnt, ist Zürich meine Lieblingsstadt», sagt er. Seine Freizeit verbringt der 26-Jährige, der alleine in Dielsdorf in der Nähe des GC-Campus wohnt, oft mit seinen kongenialen Sturmpartnern Munas Dabbur und Caio.

Dabbur, Caio, Ravet: Das Supertrio

Das Was privat funktioniert, klappt auch auf dem Platz. Mit Ravet, Dabbur und Caio befinden sich die drei Freunde in der aktuellen Skorerliste der Super League unter den Top 5. Zusammen mit Shani Tarashai wirbelt das variable Offensivquartett in dieser Saison so manche Abwehr durcheinander und ist für 29 der 35 GC-Saisontore verantwortlich.

«Das liegt vor allem auch an den Neuzugängen Basic und Källström. Sie arbeiten viel für uns, sichern uns ab, sodass wir nicht zurücksprinten müssen», erklärt Ravet den Erfolg. «Wir geniessen so in der Offensive sehr viele Freiheiten. So macht Fussball Spass, auch wenn wir mal verlieren.»

Verloren hat GC von den letzten vier Spielen deren drei, doch von einer Krise will Ravet nichts wissen. Das sei bei der Entwicklung eines so jungen Teams normal. Das Spitzenspiel heute gegen den FCB könne man entspannt angehen, zumal Ravet gute Erinnerungen an das Joggeli hat. Bei seinem letzten Auftritt in Basel hatte der Franzose bei der 1:2-Niederlage die Führung für die Hoppers erzielt.

Keine Rückkehr nach Frankreich

Mit der französischen Liga hat der offensive Feingeist abgeschlossen. Eine Rückkehr in seine Heimat kann sich Ravet momentan nicht vorstellen. Stattdessen träumt der Realist von der Bundesliga: «Es ist mein Ziel, eines Tages in Deutschland zu spielen. Wenn ich wählen könnte, am liebsten mit Aubameyang in Dortmund.» Mit der Dortmunder Sturmrakete ist Ravet seit der gemeinsamen Zeit in Saint-Étienne befreundet.

Sollte sein Höhenflug anhalten, wird sich sein Traum vielleicht erfüllen, doch zunächst will Ravet, der noch bis 2017 einen Vertrag hat, die Saison mit GC auf einem der ersten vier Plätze beenden, um nächstes Jahr international spielen zu können.

Dieser Artikel wurde auf aargauerzeitung.ch veröffentlicht.

 

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