Transferrekord – Niemand gibt so viel Geld für Fussballspieler aus wie die Chinesen

China lockt internationale Topstars mit lukrativen Angeboten in die heimische Liga. Denn Präsident Xi Jinping ist ein Fan des Fussballs und will aus seinem Land eine Fussballweltmacht formen.

Der Präsident der Volksrepublik China Xi Jinping äusserte jüngst drei Wünsche: «China soll sich wieder für eine Fussball-WM qualifizieren. China soll eine Fussball-WM ausrichten und China soll eine Fussball-WM gewinnen.» In Anbetracht, dass der chinesische Fussballverband momentan auf Platz 82 der Fifa-Weltrangliste rangiert und bei der bislang einzigen WM-Teilnahme 2002 in Japan und Südkorea mit drei Niederlagen abgestraft wurde, scheinen die Wünsche des Präsidenten illusorisch.

Doch Xi Jinping, der in seiner Jugend auch gerne selbst gegen das runde Leder getreten hat, ist Chinas grösster Fussballfan und nimmt das Schicksal zur Erfüllung seiner Wünsche selbst in die Hand. Mit einem 50-Punkte-Plan will der 62-Jährige sein Land in eine Fussball-Weltmacht verwandeln, denn bislang konnten die auch wegen der Ein-Kind-Politik individualistisch geprägten Chinesen international nur in Einzelsportarten für Furore sorgen.

Unabhängigkeit für den Verband

Damit sich das ändert, setzt China auf die Strahlkraft des weltweit beliebtesten Mannschaftssports. Der chinesische Fussballverband bekommt nun sogar eine unabhängige Sonderstellung, in der ansonsten von Politik und Bürokratie dominierten Sportwelt Chinas. Statt den Erfolg auf dem Reisbrett zu planen, wird in Jugend und Ausbildung investiert.

Bis 2017 sollen bis zu 45 000 neue Fussballschulen gegründet werden – heute existieren lediglich 5 000 – und auch im Sportunterricht soll der Fussball eine tragende Rolle einnehmen. Der Plan des Präsidenten geht sogar so weit, dass eine Fussballprüfung Bestandteil universitärer Aufnahmetests werden soll.

Momentan fehlt es den Chinesen noch an Fachkräften und kompetenten Trainern, die ihr Wissen an die Talente weitergeben. Auch um selbst zu lernen, holt man sich ausländische Experten ins Land. In der höchsten Spielklasse Chinas, der Chinese Super League, werden 13 der 16 Mannschaften von ausländischen Trainern trainiert. Darunter finden sich auch klangvolle Namen wie der Brasilianer Luiz Felipe Scolari oder Sven-Göran Eriksson aus Schweden, die auch ihren Staff mitbringen. Damit die chinesischen Trainertalente von den erfahrenen Trainergrössen lernen, gibt es in vielen Vereinen die Auflage, dass mindestens ein Chinese im Trainerteam dabei sein muss.

Weil das Niveau einheimischer Spieler noch zu wünschen übrig lässt, sollen ausländische Stars die Fans in die Stadien locken und die Chinesen für den Fussball begeistern. So kommt es, dass die chinesischen Vereine gerade mit horrenden Transferausgaben auf sich aufmerksam machen. Vier der Top 5 der teuersten Wintertransfers wechseln ausnahmslos nach China. Insgesamt investierten die chinesischen Vereine in diesem Winter bislang bereits über 200 Millionen Euro in Neuzugänge.

Winkt sogar der Transferrekord?

Sogar die zweite chinesische Liga (48 Millionen Euro) hat höhere Transferausgaben als die deutsche Bundesliga (36 Millionen). Nur die englische Premier League griff noch ein wenig tiefer in die Tasche. Da das Transferfenster in China im Gegensatz zu England aber noch bis 2. März geöffnet ist, könnte China erstmals Platz 1 in der Ausgabenrangliste übernehmen.

Während früher eher alternde Stars kurz vor dem Karriereende, wie Didier Drogba (37) den finanziell lukrativen Schritt nach China wagten, werden die ausländischen Top-Transfers immer jünger. Mit dem kolumbianischen 42 Millionen-Rekord – teurer war nie ein Spieler in China – Jackson Martinez (29), der von Athletico Madrid zum Serienmeister Guangzhou Evergrande geht, dem Brasilianer Ramires (28), Roms Gervinho (28) oder dem Ex-Leverkusener Renato Augusto (27) wechseln die Spieler jetzt im besten Fussballeralter nach China und verdienen dort ein Vielfaches der in Europa üblichen Bezüge. «Ein Spieler hat nur etwa zehn Jahre Zeit, um Geld zu machen», begründet Augusto, der auch ein Angebot aus der Bundesliga von Schalke vorliegen hatte, nüchtern den Wechsel nach Peking.

Ein lukratives Geschäft für reiche Investoren

Das Finanzielle spielt für die chinesischen Vereine kaum eine Rolle. Fast alle Super League Vereine werden von reichen Investoren unterstützt, die auf den Fussballboom vertrauen und um die Gunst des Präsidenten buhlen. In einem autoritären System wie China richten sich alle Magnetnadeln stets nach dem Kaiserhof aus. «Wenn die Regierung also sagt, Fussball ist Trumpf, dann heisst das: Alle werden sich nun auf den Fussball stürzen», sagt Liu Xiaoxin, der Chefredakteur der einflussreichen Zeitung «Fussball» dem Tagesanzeiger.

Das von Scolari trainierte Guangzhou wird seit Jahren vom chinesischen Multimilliardär Jack Ma finanziert und sogar der Zweitligist Tianjin Quanjian, 2006 gegründet, strebt dank der Millionen eines chinesischen Pharma-Giganten in Rekordzeit den Aufstieg in die erste Liga an. Dafür nehmen die Vereine in Kauf, dass der Sponsor die Transferangelegenheiten bestimmt.

Kampf um einheimische Talente

Shenhua Shanghai sicherte sich jetzt für 11 Millionen den 25-jährigen Innenverteidiger Jinhao Bi. Damit zahlt Shanghai das 44-fache des Marktwertes (250.000 Euro). Der Markt bestimmt hier den Preis. Geht es nach Xi Jinping soll es bald viel mehr einheimische Talente geben. Bei mehr als 1.4 Milliarden Einwohnern ist das Reservoir potenzieller Weltklasse-Fussballer riesig. Greift der Plan des Präsidenten, könnten sich seine Wünsche schon bald erfüllen.

Dieser Artikel wurde auf aargauerzeitung.ch veröffentlicht.

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