GC-Star Caio packt aus: «Ich würde nicht zu Basel wechseln»

Der brasilianische Scharfschütze Caio bricht sein langes Schweigen und plaudert über die Zeit in Frankfurt, über Brasilien und sein Privatleben. Der Stürmer  erklärt, wieso er sich bei GC wohlfühlt und wie man den FCB besiegt.

Caio, der treffsicherste Stürmer der laufenden Saison, geht mit GC bereits in die vierte Saison. Zweistellig hat der offensive Mittelfeldspieler bisher immer getroffen, aber sieben Treffer nach sechs Partien sind ein neuer Bestwert. Doch was steckt hinter der Fassade des zurückhaltenden Brasilianers, der sich in der Öffentlichkeit selten bis nie zu Wort meldet? «Ich bin nicht gerade der gesprächige Typ», sagt Caio schüchtern zur Begrüssung.

Eine Nuss, die es zu knacken gilt. Auf seinen Wunsch hin führen wir das Gespräch auf Portugiesisch: «So kann ich mich besser ausdrücken», meint der 30-Jährige, der – wenn er denn will – ganz passabel Deutsch spricht.

Sieben Treffer in sechs Super-League-Spielen, dazu zwei in der Europa League. Warum sind Sie so gut wie noch nie?

Caio: Wegen der guten Vorbereitung und den vielen Spielen (13 Spiele in 45 Tagen d. Red.) war ich physisch vielleicht nie besser. Das ist ein Vorteil. Deshalb treffe ich auch mehr.

 Caios schönste Tore für den GCZ   


 
 
Drei Quali-Runden für die Europa League bedeuten viel Stress. Am Ende bleiben in der Liga Punkte liegen und die Qualifikation für die Gruppenphase dennoch aus. Stimmen da Aufwand und Ertrag noch?
 
Europäisch spielen, ist doch für jeden das Grösste. Die Reisen mit dem Team, die Spiele in Island, Zypern oder in der Türkei. Das hat Spass gemacht und uns als Mannschaft gestärkt. Als Profi muss man dem Donnerstag-Sonntag-Rhythmus gewachsen sein. Klar haben wir vielleicht deshalb den einen oder anderen Punkt weniger, aber das liegt auch daran, dass wir auswärts noch nicht auf Touren gekommen sind.
 
Warum wurden Sie zwei Mal geschont? Tut das weh, gerade in internationalen Spielen zuzuschauen?
 
Nein, das war so abgesprochen. Ich hatte kleinere Wehwehchen. Da war es schon okay, wenn ich ausnahmsweise mal auf der Bank Platz nehme.
 
Caio taut langsam auf. Seine Sätze werden länger und hin und wieder huscht auch ein Lachen über sein Gesicht. Vor allem, wenn es um GC geht. Nach schwierigen Jahren in Frankfurt – wo er 2008 als Heilsbringer verpflichtet, jedoch nach zwei durchschnittlichen Jahren unter Trainer Michael Skibbe am Ende als zu dick verschmäht nicht einmal mehr auf der Bank Platz nehmen durfte – folgte die Flucht zurück nach Brasilien.
 
Warum sind Sie in Frankfurt nicht durchgestartet?
 
Die Anfangszeit war schwierig. Alles war neu, es war kalt und ich konnte die Sprache nicht. Ausserdem muss ich zugeben, dass ich nicht immer ganz fit war. Doch ich bin kein Typ, der Gedanken an die Vergangenheit verschwendet. Mein Blick geht nach vorne.

Caio lässt Kommentator ausrasten:

 

 Trotzdem. Warum hat es in Frankfurt, nachdem Skibbe entlassen wurde, nicht mehr funktioniert?
 

Wir hatten damals keine gute Mannschaft, sind abgestiegen und der neue Trainer (Armin Veh d. Red.) hat nicht mehr auf mich gesetzt. Unter Skibbe war das noch anders. Er hat mir das Vertrauen geschenkt, das ich brauche.

Wie war das, als sich Skibbe als GC-Trainer wieder bei Ihnen meldete?

Er musste mich nicht überzeugen. Ich wusste sofort, dass ich einen zweiten Anlauf in Europa nehmen will und habe nur gefragt: «Wann startet der nächste Flieger?». Ich kannte GC vorher nicht, aber die zweite Chance, die mir Skibbe gab, wollte ich nutzen. 

Skibbe ist nicht mehr bei GC, Sie schon und das, obwohl jedes Jahr die besten Spieler den Klub verlassen. Wieso ist Caio immer noch da?

Es gefällt mir hier. Das Team mag mich, der Trainer auch. Warum sollte ich wechseln? Ich habe noch zwei Jahre einen Vertrag und nie mit dem Gedanken gespielt, zu wechseln. Meine Aufgabe ist es hier, die jungen Spieler zu fördern.

In der fussballfreien Zeit sucht man Caio in Zürich vergeblich. Zweimal im Jahr geht er zurück in seine Heimat, vor allem um bei seinem Sohn zu sein. Seine Ex-Frau ist nach der Trennung nach Brasilien zurückgekehrt. Keine einfache Situation für Caio, der gerne mehr Zeit mit dem eigenen Nachwuchs verbringen würde. «In Zürich kann ich brasilianisch essen gehen, ich kann mit meinen Freunden am See ein brasilianisches Barbecue machen. Das Einzige, was ich vermisse, ist mein Sohn», sagt er und wirkt traurig.

Wie viele Tore hat Caio am Ende der Saison auf dem Konto?

Gute Frage. Hoffentlich mehr als letztes Jahr. Wenn am Ende die Torjägerkrone dabei rausspringt, sage ich nicht Nein.

Basel holt immer wieder die besten Spieler aus der Super League. Sie sind einer der Besten. Hat der FCB Sie nie kontaktiert?

Nein. Aber selbst wenn ich ein Angebot hätte, würde ich nicht wechseln. Ich bin kein Opportunist.

Sie schauen unter der Woche gerne Champions League. Wäre spielen nicht besser?

Natürlich wäre das schön. Vielleicht gelingt mir das ja noch und wieso nicht mit GC?

Caio muss immer wieder niesen. Die etwas kälteren Tage letzte Woche haben dem schnell fröstelnden Brasilianer bereits zugesetzt. «Ich glaube, ich habe mich erkältet», ächzt er. Draussen knallt die Sonne auf den Campus. Für einen wie Caio, der im tropischen Mirandópolis nahe São Paulo aufgewachsen ist, sind unter 30 Grad im September wohl schon so etwas wie der Wintereinbruch.

Eine Statistik besagt, dass Sie besonders gerne Tore schiessen, wenn das Wetter gut ist. Brauchen Brasilianer Sonnenschein?

Ja, brauchen sie. Ich kannte diese Statistik vorher nicht. Aber sie ist gut. Samstag soll es ja schön sein. Schon mal ein gutes Omen für die Partie in Basel (lacht).

Wie würde der Trainer Caio gegen Basel spielen?

Wenn ich Trainer wäre, würde ich meine Taktik nicht verraten (lacht). Gegen Basel muss man giftig sein. Mit Einsatz und Leidenschaft ist auch der FCB schlagbar.

 Dieser Artikel wurde auf aargauerzeitung.ch veröffentlicht.

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