GLOSSE: Eine wütende Rolltreppe am Basler Bahnhof attackiert die bösen Menschen

Getrampel, Gemotze, Ausfälle. Rolltreppen müssen so einiges ertragen. Mit einem Appell wendet sich nun ein besonders wütendes Exemplar aus dem Basler Bahnhof an die Menschheit.

Mensch Mensch, es wäre so einfach, doch du willst es einfach nicht kapieren. Seit es mich gibt – und mich gibt es schon mehr als 150 Jahre – verfällst du, sobald du mich siehst, in eine unerklärliche Faulheit. Du stehst in Scharen an, nur um mich für wenige Sekunden zu benutzen. Du verlierst jeden Tag Minuten, nur um deinen mit den Jahren immer fetter gewordenen Leib ein paar Treppenstufen weniger selbst hoch zu schleppen. Dass dies ein Teufelskreis ist, kapierst du nicht. Ich beobachte täglich, wie sich deine Laune verschlechtert, wenn du schon wieder im Getümmel vor dem Rolltreppeneingang feststeckst, doch die Treppe nebenan zu nehmen, steht nicht zur Diskussion.

Das Absurdum: Rechts stehn, links gehn

Stattdessen drängelst du dich vor, um deine schweren Füsse eher auf meinen Metallrücken stellen zu dürfen und du folgst sogar ungeschriebenen Regeln, wie du mich zu benutzen hast. «Rechts stehn, links gehn», dass ich nicht lache. Ihr wisst doch selbst, dass es so nie funktioniert.

Wenn sich dann wieder mal ein verträumter Pendler während der Stosszeiten an mein linkes Geländer lehnt, verdrehen die Blockierten stets synchron die Augen. Statt die Person nett auf ihr Vergehen hinzuweisen, wird lieber laut geschnaubt und gestresst gewartet, bis sich der Stau von allein aufgelöst hat, um dann dem Stöpsel beim Passieren einen anonymen Rempler mitzugeben.

 

Als Dank für die kalorienverbrauchsfreie Fahrt nach oben, spuckst du dann noch dein Kaugummi in meine Rippen. Weisst du eigentlich, wie das ist, wenn so ein Teil meine Mechanik verklebt? Drück dir doch mal selbst ein Kaugummi in die Haare und probiere dann, es wieder rauszureissen. Immerhin weisst du jetzt, wie es mir geht, wenn du am Morgen vor der stillen Rolltreppe stehst und das rote Ämpelchen leuchtet, welches du ja immer übersiehst, um dann fluchend umzukehren, wenn du doch noch gemerkt hast, dass ich heute ausfalle.

Ich habe dem Treiben lange genug tatenlos zugeschaut, weshalb ich mich nun mit diesen Worten selbst an die Spitze der Schöpfung wende. Stopp das Stoppen, laufe ein paar Stufen mehr pro Tag, auch wenn du von mir gerade gelinde nach oben chauffiert wirst, denn ich mag es, wenn eure Schuhsohlen meinen Rücken massieren. «Links und rechts gehn», vielleicht kapierst du das ja. Ich verspreche dir, so kommt nicht nur langsam das Sixpack zum Vorschein, das sich unter deinem Bierbauch versteckt hat, nein du kommst auch schneller und wohl gelaunt an dein Ziel, denn du entgehst dem Nerv tötenden Stau.

 Gebt der Rolltreppe einen Sinn

Auch ich bekäme dann endlich wieder einen Sinn. Denn, dass der Weg über mich wegen dem vielen Warten am Ende sogar langsamer ist als über die normale Treppe, kann wohl kaum im Sinne des Erfinders sein. Auch ich finde das blöd, denn ich wurde designt, um die Welt besser zu machen. Würdest du mich richtig nutzen, hätte ich wieder eine Berufung.

Dieser Artikel wurde auf bzbasel.ch veröffentlicht.

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