Das pensionierte Lego-Kind: Sein Hobby kostete ihn mehr als 10’000 Franken

Herbert Hunziker ist 74 Jahre alt und liebt Lego. Gut 140 Bausätze hat Hunziker in den letzten Jahren zusammengesetzt. Mehr als 10’000 Franken kostete der Spass bisher.

Schwer beladen verlässt Herbert Hunziker kurz nach seinem 70. Geburtstag das Legoland in Bayern. «Da werden Ihre Enkel aber Freude haben», heisst es an der Kasse. Doch Hunziker lacht und erwidert: «Das ist alles für mich.» Nach seiner Pensionierung vor zehn Jahren hat der gebürtige Safenwiler ein spezielles Hobby gefunden: Lego-Technic. Wenn er mit seiner Frau Beatrice abends vor dem Fernseher sitzt, wird fleissig gebastelt.

Tausende winzige Bauteile setzt er akribisch zusammen, bis das grosse Ganze fertig ist. In obersten Stock seines Hauses liegt Herberts persönliches Legoland. In Wandregalen stehen Fahrzeuge aller Art, von der Decke baumeln Flugzeuge und Helikopter, und auf dem Tisch in der Mitte des Raumes stehen Lego-Häuser. Sie besitzen sogar ein eigenes Innenleben. Gegenüber drehen sich dank eines kleinen Motors ein Miniatur-Riesenrad und ein Karussell.

Gut 140 Bausätze hat Hunziker in den letzten Jahren zusammengesetzt. Mehr als 10 000 Franken kostete der Spass bisher. «Ich kann beim Lego-Zusammenbauen einfach so gut abschalten», sagt Hunziker und fügt hinzu. «Man hat mir mal gesagt, als Pensionierter brauchst du ein Hobby. Ich habe meines gefunden.»

Herbert Hunziker posiert mit seinem Lego-Porsche vor der Eingangstür seines Legolandes.

Herbert Hunziker posiert mit seinem Lego-Porsche vor der Eingangstür seines Legolandes. © Jakob Weber 

Hunzikers Augen funkeln, wenn er von seinem schwierigsten und mit 325 Franken gleichzeitig teuerstem Projekt erzählt: ein orangener Porsche. Die Bauanleitung ist so dick wie ein Buch, auch weil Lego mit den Porsche-Konstrukteuren zusammengearbeitet hat und in der Anleitung immer wieder Bezug zum Original genommen wird. «So kann ich beim Zusammensetzen auch noch etwas lernen», freut sich der gelernte Automechaniker.

Auch seinen Göttikindern zeigt der selbst kinderlose Hunziker gerne am Lego-Exempel, wie die Technik funktioniert. «Sie sind auch die Einzigen, die mit den Lego spielen. Für mich ist nur der Aufbau spannend», sagt Hunziker.

Die Sammlung ist fast komplett

Hunziker ist immer auf dem neusten Stand. Er weiss genau, wann neue Modelle auf den Markt kommen, und gibt alles, damit er sie auch rechtzeitig bekommt. Über das Internet bestellt er Lego, die im Laden vergriffen sind. «Ich habe alle Lego-Technic-Modelle der letzten fünf Jahre in meiner Sammlung. Nur auf Töffs habe ich bisher verzichtet», sagt Hunziker. Doch das hat sich geändert. Gerade erst hat Hunziker sein erstes Motorrad zusammengesetzt. «Mein Mann hat manchmal Angst, dass er mit allem fertig ist, bevor neue Modelle kommen», sagt seine Frau.

Seine Göttikinder dürfen zwar im Legozimmer spielen, anschliessend räumt Herbert Hunziker aber immer sofort auf.

Seine Göttikinder dürfen zwar im Legozimmer spielen, anschliessend räumt Herbert Hunziker aber immer sofort auf. © Jakob Weber 

Pro Jahr kommen nur etwa zwölf neue Lego-Technic-Modelle in die Spielwarenläden. «Ich hoffe, dass in diesem Jahr zum 40-Jahr-Jubiläum von Lego-Technic ein paar mehr erscheinen», sagt Hunziker und äussert einen Wunsch: «Auf der Verpackung steht immer eine Altersangabe, zum Beispiel 8–14 oder 10–16. Da fühle ich mich dann schon immer ein bisschen diskriminiert.»

Weil die Frau zu lange shoppt

Zu seinem besonderen Hobby kam Hunziker durch puren Zufall. «Weil meine Frau beim Weihnachtsshoppen länger brauchte als ich, bin ich durch die Spielwarenabteilung geschlendert und habe dort eine fernsteuerbare Planierraupe aus Lego gesehen. Die hat mich dann nicht mehr losgelassen. Irgendwann hat mir meine Frau dann das Teil geschenkt», sagt Hunziker. Es sollten viele Lego-Geschenke folgen. Das bisher grösste bekam Hunziker zu seinem 70. Geburtstag mit dem Besuch im Legoland inklusive Übernachtung im Lego-Schloss, überraschendem Familienbesuch und vollen Shopping-Taschen.

Dieser Artikel wurde auf aargauerzeitung.ch veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar