Der neidische Blick von FC-Aarau-Sportchef Ponte nach Genf

Der FC Aarau und Servette sind mit ähnlichen Ambitionen in die Saison gestartet – eine Runde vor Saisonende könnte die Stimmungslage unterschiedlicher nicht sein.

Den FC Zürich leiden lassen. So lautete das Ziel der Traditionsvereine FC Aarau und Servette Genf, welche die Saison mit ähnlichen Mitteln in Angriff nahmen. Ziel erreicht? Nein. Zu souverän war der FCZ, zu inkonstant die Leistungen der Herausforderer. Deswegen nimmt man in Aarau und in Genf in der kommenden Saison einen neuen Anlauf. Doch während bei Servette die Tendenz klar nach oben geht und die Genfer neben Vaduz und Xamax zu den Aufstiegsfavoriten gehören, wäre es Stand heute eine grosse Überraschung, sollte der FCA in der neuen Saison ganz oben mitspielen.

Der Haussegen im Brügglifeld hängt nach der jüngsten Negativserie gründlich schief. Leistungsträger wie Sébastien Wüthrich und Geoffrey Tréand wollen trotz gültigem Vertrag den Verein verlassen. Trainer Marco Schällibaum ist mehr denn je angezählt, sein Verbleib über das Saisonende hinaus wäre mittlerweile eine Überraschung.

Primäre Gründe sind die Ergebniskrise (zehn Niederlagen in den letzten zwölf Spielen) und der mangelnde Rückhalt in der Mannschaft: Die Spieler haben registriert, dass er nicht die Wunschlösung auf dem Trainerstuhl ist, dass Schällibaums Vertragsverlängerung Absagen anderer Kandidaten vorhergingen und dass er in der neuen Saison nur eine kurze Galgenfrist hätte.

Doch statt Bekanntes weiter zu vertiefen, richten wir den Blick in den Südwesten und fragen: Was läuft in Genf, wo der bosnische Trainer Meho Kodro fest im Sattel sitzt, alles besser als in Aarau?

Der gute Lauf der Genfer

Nach dem ersten Saisonviertel lag der FCA noch elf Punkte vor Servette, seither haben die Genfer 28 Zähler mehr geholt. Für FCA-Sportchef Raimondo Ponte ist dabei vieles Kopfsache. «Servette hat einen anderen Lauf als wir. Da sieht man, wie das Selbstvertrauen eine positive Serie bewirken kann», sagt er und fügt hinzu: «Ich bin froh, ist diese Saison bald vorbei. Im Juli starten dann alle von vorne. Dann wollen wir mit einer positiven Serie starten.»

Das lässt sich leicht sagen, doch wie will man es umsetzen? Hinter der Genfer Erfolgsserie und den vielversprechenden Perspektiven nämlich steckt ein Konzept: erfolgreiche Jugendarbeit. Davon könnten sich die Aarauer gerne eine Scheibe abschneiden. Die Genfer Fussball-Akademie gehört landesweit zu den Besten.

Seit Jahren schaffen immer wieder junge Talente den Sprung zu den Profis. Gehen Leistungsträger wie Denis Zakaria (YB), Kevin Bua (FCZ, heute Basel) oder Dereck Kutesa (Basel) dann in die Super League füllt sofort ein neues Talent die Lücke. Mirsad Hasanovic oder Boris Cespedes sind zwei der jüngsten Juwele, die in Genf dem Anschein nach wie Pilze aus dem Boden schiessen und – sehr wichtig – dann auch spielen dürfen und so besser werden.

Da ist auch Ponte ein wenig neidisch. «Diesen Weg mit vielen jungen Eigengewächsen, so wie Genf das macht, wollen auch wir in Zukunft gehen.» Wenn die Philosophie stimmt, wird der Verein auch interessanter für potenzielle Neuzugänge. So unterschreiben Verstärkungen wie Steven Lang, der in der Rückrunde für Schaffhausen in 16 Spielen 18 Skorerpunkte sammelte, nicht in Aarau, sondern lieber bei Servette, das sich ebenfalls um Lang bemüht hat.

Am Samstagabend im Stade de Genève hat man gesehen, dass auch der FC Aarau einige hoffnungsvolle Talente in seinen Reihen hat. Goalie Lars Hunn (18) etwa. Er durfte zum zweiten Mal in Folge bei den Profis ran und hielt sein Team mit guten Paraden bis zum Schluss im Spiel. Auch Tim Hemmi (21) gehörte gegen Servette zu den Besseren. Dazu liess der für den verletzten Zoran Josipovic eingewechselte Noah Lüscher (19) sein Talent aufblitzen – im Nachwuchs kam der offensive Mittelfeldspieler in 20 Spielen auf 10 Tore. «Ein bisschen mehr Kraft und Erfahrung und Noah macht mit einem seiner Abschlüsse vielleicht noch den Ausgleich», sagte Schällibaum.

«Diesen Weg mit vielen jungen Eigengewächsen, so wie Genf das macht, wollen auch wir in Zukunft gehen.»

Raimondo Ponte, Sportchef des FC Aarau: «Diesen Weg mit vielen jungen Eigengewächsen, so wie Genf das macht, wollen auch wir in Zukunft gehen.»  © Schweiz am Wochenende

Wende in Nachwuchsarbeit nötig

Schön und gut. Doch anders als bei Servette kommen die Jungen in Aarau bislang erst zum Spielen, wenn die Saison gelaufen ist und die Stammspieler verletzt sind. Behält man diese Strategie bei, dürfte es mit der Wende hin zu Erfolg und Identität ein Traum bleiben. Und man wird in Aarau auch in der nächsten Saison neidisch den Blick nach Genf richten.

Dieser Artikel wurde auf aargauerzeitung.ch veröffentlicht.

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