Wohlen gegen Winterthur: Ein Fussballspiel wie eine Waschmaschine

Der 3:2-Sieg der Freiämter gegen den direkten Konkurrenten erinnert stark an einen Waschgang.

1. Akt: Einweichen

Eine Stunde vor Anpfiff öffnet der Himmel über Wohlen seine Schleusen. Das Geläuf auf der sowieso schon sehr rumpeligen Niedermatte wird somit tief und rutschig. Keine guten Voraussetzungen für das so wichtige Spiel.

Nur ein Punkt trennt die Kellerkinder Wohlen und Winterthur vor der Partie. Platz 9 gegen Platz 8. Dem Gewinner des Duells in der Waschmaschine winkt zumindest kurzfristig etwas Luft.

2. Akt: Vorwäsche

Der Schmutz vom 1:5 in Genf von vor einer Woche ist schnell ausgespült. Der Plan von Wohlen-Trainer Ranko Jakovljevic, das Mittelfeld auf dem rutschigen Rasen mit langen Bällen zu überbrücken, geht auf. Wohlen agiert in der Startphase deutlich zielstrebiger und kommt besser mit den widrigen Bedingungen in der Wäschetrommel klar.

Schon mit dem ersten Angriff hätte das Heimteam in Führung gehen können. Nach zwei Minuten kommt es nach einer Schultz-Ecke und einem Abschluss von Kuzmanovic im Fünfer zu einem Wäscheknäuel. Doch mehrmals blockt ein Winti-Bein die Wohler Abschlüsse und verhindert das frühe 1:0.

Das fällt wenig später in der elften Minute. Was für ein Geschoss, das Alain Schultz da aus rund 25 Metern raushaut. «Ich dachte mir, ich probier es einfach mal. Entweder geht der Schuss nach Mägenwil oder er geht rein», sagt der Torschütze nach der Partie.

3. Akt: Hauptwäsche

Nach einer halben Stunde füllt sich die Waschmaschine Niedermatten komplett mit Wasser. Der Regen wird stärker. Und Wohlen lässt zu, dass sich der Gegner etwas entfaltet. Doch anders als noch in Genf, als die Freiämter ebenfalls mit 1:0 führten, lässt sich der FC Wohlen im turbulenten Hauptwaschgang diesmal nicht übertölpeln.

Erst trifft Wohlen mit dem ersten Angriff nach der Pause zum 2:0. Ein Freistoss von Schultz wird von der Mauer geblockt. Direkt vor die Füsse des starken Cvetkovic, der den Ball in die Maschen drischt. Dann macht sich der FC Wohlen, wie so oft das Leben selber schwer. Bicvic foult Sutter im Strafraum und der Gefoulte verwandelt den fälligen Penalty zum 2:1-Anschlusstreffer.

Gegen Ende der Hauptwäsche hat Winterthur zwar mehr vom Spiel, aber Wohlen lässt keine weitere Chance zu. Stattdessen schiesst das Heimteam in Person von Pagliuca den kuriosesten Treffer der bisherigen Saison. Winterthur-Goalie Minder will per Fuss klären, doch sein Befreiungsschlag wird von Pagliuca direkt ins Tor geblockt.

4. Akt: Spülen

In der Schlussphase fungiert Schiedsrichter Luca Gut dann quasi als Weichspüler. Erst gibt er nach einem Schubser an Romano keinen Penalty. Dann zeigt er zum zweiten Mal auf den Punkt, als ebendieser Romano Winterthurs Radice zu Fall bringt.

Doch weil Wohlen-Goalie Tahiraj die Ecke ahnt und den Versuch von Ljubicic pariert, ist Winterthur jetzt so richtig weichgespült. Für Tahiraj ist es der zweite gehaltene Penalty in den letzten beiden Heimspielen. «Ich habe keinen speziellen Elfer-Trick.

Das ist Intuition», sagt der Keeper. Als er Trainer Jakovljevic vor dem Spiel nach den Lieblingsecken der Winterthurer Schützen fragt, kann der ihm nicht helfen. Trotzdem liegt Tahiraj richtig.

5. Akt: Schleudern

Noch ist das Spiel nicht entschieden. Im Schleudergang trifft Schättin in der Nachspielzeit per Kopf zum 3:2. Der FC Wohlen kommt kurz ins Trudeln, rettet den knappen Vorsprung aber über die Runden und steigt mit drei Punkten im Gepäck aus der Waschmaschine. Die Freiämter gewinnen auch das zweite Spiel der Saison gegen Winterthur und entfernen sich durch den zweiten Heimsieg in Folge von den Abstiegsrängen.

Ist Winterthur der neue Lieblingsgegner? «Nein», findet Trainer Jakovljevic. «Hauptsache, wir holen Punkte. Gegen wen, ist egal», sagt er nach der Partie. Der Coach ist sichtlich erleichtert, dass sein Team das Waschmaschinen-Duell gegen den direkten Konkurrenten für sich entschieden hat.

Damit zieht der FC Wohlen wieder am Kantonsrivalen aus Aarau vorbei. Mit zehn Punkten liegen die Freiämter nun einen Zähler vor dem FCA. Nach der Länderspielpause wartet der FC Schaffhausen, der mit 0:5 in Rapperswil unterging. Dann ist Zeit für die nächste Wäsche.

Dieser Artikel wurde auf aargauerzeitung.ch veröffentlicht.

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