Ein Feuerball auf dem Eis: Basels bester Curler hat Grosses vor

Bastian Brun hatte längst mit seinem Traum abgeschlossen. Jetzt könnte er sich plötzlich doch noch erfüllen. Dann winkt eine Reise nach Las Vegas.

Jedes zweite Jahr reist Bastian Brun, ohne etwas zu bezahlen, wochenlang durch Kanada. Mit seinem Elite-Curling-Team tritt er dort gegen die Besten der Welt an. Die Kosten kommen über Preisgelder, Sponsoren und Sporthilfebeiträge wieder rein. «Ausgezahlt bekommen wir zwar nichts, aber wir kommen viel rum», sagt Brun.

Der 31-Jährige ist Basels bester Curler und der einzige, der neben der Basler Curling Meisterschaft mit White Stars Arlesheim auch internationale Turniere spielt. Brun gehört seit 2014 zum Team Dübendorf um Skip Felix Attiger. 2018 könnte ihr Jahr werden, aber dazu später mehr.  

Brun wächst in Luzern auf. Seine Mutter Anita war selber Elite-Spielerin. Deswegen fängt der kleine Bastian schon mit sieben Jahren mit dem Curlingspielen an. «Bei Randsportarten wie Curling ist es typisch, dass man über die Familie in den Sport kommt», sagt Brun.

Absage von der Armee

Schon in jungen Jahren steht er jeden Tag auf dem Eis. Mit 16 reist er regelmässig durch die ganze Schweiz, mit 20 wird er Junioren-Schweizer-Meister. Er bewirbt sich als einer der ersten Curler für die Spitzensport-RS bei der Schweizer Armee, fungiert quasi als Eisbrecher. Doch weil die Bürokratie nicht schnell genug ist, bekommt er eine Absage. Ein Jahr später dürfen seine ein Jahr jüngeren Teamkollegen die Spitzensport-RS machen. 

«Im Nachhinein bereue ich es, dass ich diese Chance nicht erhalten habe», sagt Brun, der nach der Absage erst mal mit dem Profi-Traum abschliesst. Statt auf den Sport setzt er auf ein Studium und zieht deswegen nach Basel. Zunächst kennt er in der Stadt niemanden. Später verliebt er sich in eine Baselbieterin. Heute wohnt er gemeinsam mit ihr am Rand des Allschwiler Walds und denkt nicht daran, die Stadt wieder zu verlassen.

Sportpreis für Universiade-Silber

Weil es in Basel aber kein Elite-Team gibt, pendelt Brun fürs Curlingspielen zunächst nach Bern. Im Team Zähringer ist der Basler Skip Bernhard Werthemann (EM-Halbfinal 03 und WM-Sechster 04) sein Ziehvater. «Zu Beginn war Bastian als Rookie sehr zurückhaltend, doch schon bald hat er sich zu einer richtigen Teamstütze entwickelt. Vor allem, weil er taktisch immer mitgedacht hat, haben wir gut harmoniert», sagt Werthemann. 

Auch für Basel feiert Brun Erfolge. 2011 vertritt er Basel und die Schweiz an der Universiade, den Olympischen Spielen für Studenten, im türkischen Erzurum. Noch heute schwärmt Brun von seinem «bisherigen Karrierehighlight». Mit der Silbermedaille im Gepäck kehrt er heim. Von der Universität bekommt er dafür den Sportpreis. Die Feier am Dies academicus erinnert Brun stark an Harry Potter. «Alle hatten Gewänder an. Unter all den genialen Nerds fühlte ich mich wie im falschen Film», sagt Brun.

Ein Hauch von Hogwarts: Uni-Rektor Antonio Loprieno mit der Rede am Dies academicus.

Ein Hauch von Hogwarts: Uni-Rektor Antonio Loprieno mit der Rede am Dies academicus. © Nicole Nars-Zimmer

Die Hoffnung keimt

Mittlerweile hat er seinen Master abgeschlossen und arbeitet zu siebzig Prozent bei einem Geologie- und Umweltbüro in Solothurn. Dort erstellt er Gutachten für belasteten Untergrund. Dass er nicht Vollzeit arbeitet, liegt am Curling. Denn plötzlich keimt die Hoffnung auf, dass der grosse Traum von einer WM-Teilnahme doch noch möglich ist.

Nach dem Vize-Schweizer-Meister-Titel 2013 löst sich das Team Zähringer ein Jahr später auf. Auch weil Werthemann seine aktive Karriere beendet. Brun bietet sich auf dem Curling-Basar an. «Die Wechselperiode im Sommer ist wie in einer schlechten Soap. Jeder versucht, das Beste für sich rauszuholen. Das ist immer ein grosses Drama», sagt Brun. Doch er hat Glück und stösst zum Team Attiger aus Dübendorf. Seitdem zeigt die Tendenz stetig nach oben. 2015 wird das Team an der Schweizer Meisterschaft Sechster, 2016 Dritter und in diesem Jahr Zweiter.

«Bastian bringt Feuer ins Team. Er kann nie ruhig sein», sagt Attiger. Dieser Eigenschaft verdankt Brun auch seinen teaminternen Spitznamen: Fireball. Mit der Performance seines Schützlings, der als Dritter die Steine spielt, ist Attiger zufrieden. «Er macht seine Sache gut. Nur ein paar mehr Muskeln würden ihm guttun», sagt der Skip. Für ihren grossen Traum sind sich die beiden nicht zu schade, auch am Samstagmorgen für zwei Stunden unzählige Steine zu spielen und Abläufe zu trainieren.

Next Stop Las Vegas

Weil der amtierende Schweizer Meister, das Genfer Team von Peter de Cruz, aufgrund der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang im Februar auf die Teilnahme an der Schweizer Meisterschaft 2018 in Flims verzichtet, ist der Weg für Brun und sein Team frei.

Peter De Cruz verzichtet auf die Teilnahme an der Schweizer Meisterschaft 2018.

Peter De Cruz verzichtet auf die Teilnahme an der Schweizer Meisterschaft 2018. © KEYSTONE

«Uns ist klar, dass auch andere ihre Chance wittern, doch wir werden alles geben, um am Ende Erster zu sein», sagt Brun. Dann würde die nächste Überseereise nicht nach Kanada, sondern nach Las Vegas gehen. Denn dort findet im nächsten Jahr die WM statt, für die sich immer der Schweizer Meister qualifiziert.

Meine Sportagenda

Montag Tagsüber: Die Arbeit ruft. Bastian Brun arbeitet zu siebzig Prozent für ein Geologie- und Umweltbüro in Solothurn. Viermal die Woche nimmt er am Morgen den Zug und geht zur Arbeit. Abend: Clubabend mit White Star Arlesheim. In dem Verein ist Brun Vizepräsident. Mal trainiert er alleine, mal mit einem Trainingspartner aus dem Verein.

Dienstag Tagsüber: Die Arbeit ruft. Brun erstellt für seine Firma Gutachten für belasteten Untergrund. Bei Aushebungen testet Brun zum Beispiel vorher den Boden, damit dieser anschliessend richtig entsorgt wird. Abend: Von 20 Uhr bis 22 Uhr trainiert Brun mit seinem Elite Team um Felix Attiger in Dübendorf. Gelegentlich schaut auch der Nationaltrainer vorbei.

Mittwoch Morgen: Von 9 Uhr bis 12 Uhr trainiert Brun alleine in Arlesheim. «Das ist sehr monoton, aber wichtig für die Abläufe und das Gefühl», sagt er. Nachmittag: Die Arbeit ruft. Brun hat flexible Arbeitszeiten. Das lässt sich gut mit dem Training verknüpfen. Abend: Zum Ausgleich spielt Brun Fussball mit Freunden.

Donnerstag Tagsüber: Die Arbeit ruft. Auch bei potenziellen Gefährdungen rückt Brun aus und testet den Boden auf Schadstoffe. Zum Beispiel auf Schiessplätzen oder in Trinkwasserschutzzonen. Abend: Von 20 Uhr bis 22 Uhr trainiert Brun wieder in Dübendorf. Technik, Teamsteine mit Wischen und die Kommunikation stehen im Fokus.

Freitag Morgen: Oft hat Brun am Freitag frei. Dann geht er ins Crossfit oder auf den Vita-Parcours. Während der Saison spielt Brun mit dem Team Dübendorf jedes zweite Wochenende ein Weltcup-Turnier. Die beginnen meist schon am Freitag. Abend: Wenn kein Turnier stattfindet, geht Brun mit seiner Freundin Ines klettern.

Samstag Turnier: An den Wettkämpfen stehen zwei bis drei Spiele auf dem Programm. Dazwischen erholt sich das Quartett und es wird gegessen. Jassen ist auch ein gern gesehener Zeitvertreib zwischen den Matches. Training: Wenn das Team Dübendorf am Wochenende kein Turnier spielt, trifft sich die Crew gerne auch spontan privat zum Training.

Sonntag Turnier: Wenn das Turnier gut verläuft, ist Bruns Equipe auch am Sonntag noch dabei. Dann geht es beginnend mit den Viertelfinals um die Platzierungen. Freizeit: Brun schläft auch gerne mal aus und startet mit einem Brunch in einen der wenigen Tage ohne Curling.

Dieser Artikel wurde auf bzbasel.ch veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar