Im Basler Tennis klafft eine Lücke – doch die soll sich bald schliessen

Von einem neuen Roger Federer fehlt in Basel jede Spur. Wie das regionale Tennis im nationalen Vergleich dasteht und warum bald wieder alles besser werden soll.

«Der neue Roger Federer kommt mit Sicherheit nicht aus der Region Basel», sagt René Guerra. Der 53-Jährige leitet die Juniorenabteilung beim TC Kleinbasel und vertritt eine klare Meinung, wenn es um den Basler Tennis-Nachwuchs geht.

«Heute trainieren die Jungen nur, wenn das Training organisiert und bezahlt ist. Alle chatten täglich auf Whatsapp, aber auf dem Platz treffen sie sich privat nur selten. Wer Profi werden will, muss aber genau das machen», sagt Guerra.

Der mangelnde Wille und die fehlende Eigendynamik sind schweizweit ein Problem. Für die beiden Basel kommt hinzu, dass mit dem TC Kleinbasel, den Old Boys und dem TC Arlesheim die drei besten Vereine nur in der NLC spielen. «Zurzeit ist das Steigerungspotenzial begrenzt. In dieser Konstellation ist es schwierig, dass zukünftige Schweizer Aushängeschilder aus Basel kommen», sagt Guerra.

Die bz hat untersucht, aus welchen Kantonen die besten Schweizer Tennisspieler zurzeit kommen.

 

© Schweiz am Wochenende

 

Aus dieser Statistik geht hervor, dass sowohl Baselland als auch Basel-Stadt im Vergleich mit der Wohnbevölkerung unter dem nationalen Durchschnitt liegen. In den Top 150 bei den Männern klafft nach Roger Federer (Nr. 1) und Marco Chiudinelli (Nr. 5) aus Basler Sicht eine grosse Lücke zu den weiteren sechs Top-150-Klassierten. Bei den Damen kommt zwar das grösste Schweizer Nachwuchstalent Rebeka Masarova (Nr. 10) aus Basel. Nach ihr sind allerdings nur noch drei weitere Baslerinnen unter den Top 75 klassiert.

Die welschen Kantone, das Tessin, aber auch Solothurn und Schwyz schneiden in der Statistik deutlich besser ab. Am Ende des Rankings sind St. Gallen und Thurgau. Zürich hat zwar insgesamt 32 Spielerinnen und Spieler unter den Top 150 der Herren beziehungsweise Top 75 der Damen. Proportional zur Wohnbevölkerung ist Zürich aber genau wie Bern hinter den beiden Basel klassiert.

Vielversprechende Junioren

Ist das Schweizer Tennis also bald in welscher Hand? «Nein», sagt Rodolphe Handschin von der Basler Tennisakademie Tif, dem regionalen Stützpunkt von Swiss Tennis. «Die Deutschschweiz dominiert nach wie vor. Zürich stellt immer noch die meisten Top-Spieler und bei uns ist alles besser organisiert als in der Romandie.»

Auch für die Basler Tenniszukunft sieht der Akademie-Chef nicht so schwarz wie sein Kollege Guerra. «Wir haben einige vielversprechende Junioren», sagt Handschin. Sieben von ihnen werden im Sportklassenprogramm gefördert.

Laut René Guerra kommt der neue Roger Federer mit Sicherheit nicht aus der Region Basel.

Laut René Guerra kommt der neue Roger Federer mit Sicherheit nicht aus der Region Basel. © Keystone

Dazu gehören auch der 13-jährige Raffaele Mariani (Nr. 2 im Schweizer Nachwuchskader) und Jan Sebesta (14 Jahre, Nr. 3 des Schweizer C-Kaders), beide von den Old Boys, und Jalena Meyer (11) vom TC Arlesheim. Mariani ist bereits R1-klassiert und durfte in diesem Jahr bei einem internationalen Tennisturnier in Paris während der French Open Profi-Luft schnuppern. «Aus Raffaele könnte etwas werden.

Er macht seine Sache wirklich hervorragend», sagt Handschin, in dessen Akademie der Junge wöchentlich rund 15 Stunden trainiert. Auch die Zukunft von Jalena Meyer sieht rosig aus. Trotz ihres jungen Alters nahm sie in diesem Jahr bereits an den Schweizer Meisterschaften teil.

Es tut sich etwas

Frank Linhart, Vorstandsmitglied beim TC Arlesheim, freut es, dass er mit Meyer ein grosses Schweizer Talent bei sich im Verein hat. «Bei uns hat sich in den letzten Jahren etwas getan. Wir versuchen heute, die Junioren noch gezielter zu fördern als früher», sagt Linhart. Diese Aussage stützt auch der Captain der Old Boys, Stefan Bonsels: «Wir sind im Nachwuchs gut aufgestellt. Einige unserer Junioren haben sicherlich NLC-Niveau.»

Bei OB will man nachhaltig wachsen und Spieler ausbilden, die sich mit dem Klub identifizieren, was heute nicht mehr so einfach ist. Heute ist es so, dass viele gute Spieler für mehrere Vereine spielberechtigt sind und schnell wechseln. «Wenn ein Spieler noch höhere Ziele hat, als in der Nati C zu spielen, ist es auch gut möglich, dass er die Region verlässt», sagt Linhart. Das ist schlecht für Basel.

Klubs arbeiten gegen Akademie

Dazu kommt, dass sich Basler NLC-Vereine wie der TC Arlesheim eher auf die Förderung des Breitensports als auf das Ausbilden zukünftiger Profis konzentrieren. «Wir wollen der breiten Masse den Einstieg ins Tennis ermöglichen», sagt Linhart. Dieses Denken, das auch vom Regionalverband unterstützt wird, stösst bei Handschin und Swiss Tennis auf Kritik.

«Meiner Meinung nach müsste man da komplett auf Reset drücken und sich viel mehr an der Leistung der Spieler orientieren, statt die breite Masse zu fördern», sagt der Leiter der Tennisakademie. Denn ohne die nötige Unterstützung können auch die hoffnungsvollen Basler Talente die klaffende Lücke nicht schliessen.

Dieser Artikel wurde auf bzbasel.ch veröffentlicht.

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