FC Thuns ist das gallische Dorf der Super League und Dejan Sorgix der Asterix im Berner Oberland

Dejan Sorgic ist der Asterix von Thun – vor dem Spitzenspiel gegen Liga-Dominator YB verrät der Stürmer das Erfolgsrezept.

Während im Jahr 2018 die ganze Fussball-Schweiz von YB dominiert wird, leistet ein kleines Dorf am Fusse der Alpen weiterhin Widerstand. Was in den Asterix-Comics die Gallier sind, ist in der Super League der FC Thun.

Am Samstag nimmt das grosse YB einen neuerlichen Anlauf, die Stockhorn Arena einzunehmen. Der Underdog hat sich aber geschworen, den übermächtigen Hauptstadtklub erneut zu ärgern. «Wir haben YB schon vergangenes Jahr die erste Niederlage zugefügt und wollen das jetzt wiederholen», sagt Dejan Sorgic selbstbewusst.

Dejan Sorgic weiss, wie man YB besiegen kann: Vergangene Saison holte der FC Thun aus den vier Duellen mit dem grossen Rivalen sieben Punkte.

Dejan Sorgic weiss, wie man YB besiegen kann: Vergangene Saison holte der FC Thun aus den vier Duellen mit dem grossen Rivalen sieben Punkte. © freshfocus

Der 1,77 m kleine Angreifer übernimmt im gallischen Dorf die Rolle des Asterix. Dank seiner Schnelligkeit und Cleverness erzielte Sorgic schon fünf Saisontore. Der 29-Jährige führt damit nicht nur die Torschützenliste an, er hat sich in seiner dritten Saison in Thun zu einer echten Leaderfigur entwickelt.

«Wenn ich Asterix bin, dann ist unser Captain Dennis Hediger Obelix», sagt Sorgic und lacht. Gut möglich, dass das Thuner Kraftpaket analog zu Obelix in jungen Jahren in einen Kessel mit Zaubertrank gefallen ist. Die Mixtur, welche den Galliern im Comic übermenschliche Kräfte verleiht, wird von Druide Miraculix hergestellt.

Die Ingredienzien des Zaubertranks

In Thun teilen sich diese Rolle Sportchef Andres Gerber und Trainer Marc Schneider. Nur sie kennen die genaue Erfolgsrezeptur, doch Asterix – alias Sorgic – verrät ausgerechnet vor dem Aufeinandertreffen mit YB – «den Römern» – einige der Ingredienzien.

Man nehme: den Stockhorn-Arena Kessel. Eine grosse Portion familiäres Umfeld. Einige Jungspieler oder Talente aus unteren Ligen, die ihre Leistung hier besonders entfalten, weil sie in der Sonne Thuns langsam reifen können. Dazu ein paar ältere Haudegen, die wissen, wie das Geschäft funktioniert.

Eine Prise Ballbesitzfussball mit schnellem Umschaltspiel, etwas Pressing, Teamgeist und abwechslungsreiche Trainings, durch die jede Zutat ihre volle Leistung bringt. Entferne jegliche Art von künstlichem Druck. Und fertig ist der Zaubertrank, mit dem das Team mit dem zweitkleinsten Stadion und achtwertvollsten Kader der Liga, zum ersten Verfolger des Meisters aus Bern wurde.

Die Finanzlage hat sich stabilisiert

Eine weitere wichtige Zutat nennt Sorgic nicht. Doch auch die bessere finanzielle Lage hat grossen Anteil am Thuner Erfolg in dieser Saison. Noch vor zwei Jahren stand das Schicksal des gallischen Dorfes auf Messers Schneide. Zwei Millionen fehlten im Winter 2016/17. Eine Spendenaktion brachte 1,5 Millionen ein. «Ohne dieses Geld gäbe es den FC Thun nicht mehr», sagte Präsident Markus Lüthi vor einem Jahr.

Heute sind die Berner Oberländer ihre finanziellen Sorgen zwar nicht gänzlich los. Der Fokus kann aber vermehrt auf das Sportliche gelegt werden. Mehr Fernseh- und Uefa-Gelder führten dazu, dass Thun im Sommer nur einen Leistungsträger, statt wie so oft in der Vergangenheit die halbe Mannschaft verkaufen musste. Sandro Lauper ging nach Bern. Mit dem aus Wil gekommenen Basil Stillhart füllt einer der guten Transfers aus der Challenge League diese Lücke bereits nahtlos aus.

«Die Eingespieltheit ist ein grosser Pluspunkt für uns. Wir verstehen uns auf und neben dem Platz super», sagt Sorgic. In seiner Freizeit ist er oft mit seinen Teamkollegen Chris Kablan und Matteo Tosetti zusammen. Statt Hinkelsteinsuche mit Idefix im Wald bevorzugt das Trio aber eher Café-Besuche in Thuns Innenstadt.

Vertragsverlängerung statt Flucht

Im Sommer hätte Sorgic das gallische Dorf verlassen können. Angebote aus Japan, der Türkei, Russland und Israel lagen auf dem Tisch seines Beraters. Doch Sorgic fühlt sich in Thun so wohl, dass er den Offerten keine Beachtung schenkt. Stattdessen verlängert er seinen Vertrag im Berner Oberland vorzeitig bis 2022.

«Unser Ziel ist es, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das haben wir schon vor der Saison so festgelegt», sagt Sorgic. Der Angreifer weiss aber auch: Platz 2 zu verteidigen, ist bei der engen Tabellensituation schwieriger, als ihn zu erobern. Zwischen Thun und dem Letzten Sion liegen nur acht Punkte. Thun hat damit mehr Rückstand auf YB als Vorsprung auf den Abstiegsplatz.

Mit einem Tor gegen den verlustpunktlosen Meister will Sorgic dafür sorgen, dass der Zehn-Punkte-Abstand nach oben kleiner wird. Bislang hat er in dieser Saison noch nie zweimal am Stück nicht getroffen. Weil Sorgic am Dienstag beim 2:0-Sieg gegen GC ohne Tor blieb, müsste er gemäss Serie am Samstagabend wieder skoren.

«Spitzenspiel tönt gut»

«Ein Derbytor wäre natürlich schön, aber noch schöner wäre, wenn wir gewinnen», sagt der Serbe. Die Ungeschlagenheit der Berner und das Derby sind Extramotivation für das kleine Thun. «Spitzenspiel. Das tönt doch gut. Wir wollen YB aber vor allem Punkte abknöpfen», sagt Sorgic.

So wie sich bei Asterix und Obelix jeder freut, wenn die Gallier die Römer verprügeln, hofft die ganze Fussballschweiz, dass Thun mit YB ähnlich rigoros zur Sache geht. Bislang konnte der Underdog seine Erfolge aufgrund der englischen Woche noch gar nicht richtig feiern.

Sollte das kleine Dorf aber tatsächlich Dominator YB besiegen, hätte sich der FC Thun ein Wildschwein-Gelage nach gallischer Art absolut verdient. Dann könnten Sorgix, Hedigerix, Lüthix, Gerberix, Schneiderix, Tosettix, Kablanix, Stillhartix und wie sie alle heissen endlich gemeinsam feiern.

Dieser Artikel wurde auf den Portalen von chMedia veröffentlicht.

Veröffentlicht in Sport