Alter Stoff, grosse Gefühle – die FCB-Trikots und ihre Geschichten

Elf FCB-Spieler schlüpfen als Geburtstagsgeschenk für ihren 125 Jahre alten Verein in Retro-Trikots aus der Sammlung von Lorenz Schumacher. Wir erzählen die Geschichten, die sich in diesen Shirts zugetragen haben.

1969: Stocker trägt Benthaus

Weil die Celtic-Legende in finanzielle Nöte gerät und seine Trikots verhökert, kommt dieses Exemplar vor ein paar Jahren zu Schumacher. Nicht nur wegen den Spielen gegen Celtic ist es von besonderem Wert. Der FCB holt in diesen Shirts auch den vierten Meistertitel der Geschichte, den zweiten in Serie. Sowohl 1969 und 1970 hat der FCB in der Abschlusstabelle einen Punkt Vorsprung auf Lausanne.
 
 
FCB-Captain Karl Odermatt und der Celtic-Captain McNeill bei der Platzwahl

FCB-Captain Karl Odermatt und der Celtic-Captain McNeill bei der Platzwahl © Keystone

1972: Grün bringt in der Liga Glück

Dieses Trikot stammt aus dem Jahr 1972 und wurde von FCB-Torhüter Marcel Kunz und seinem Ersatz Jean-Paul Laufenburger getragen. Kunz spielt von 1963 bis 1975 insgesamt 283 Mal für den FC Basel, Laufenburger von 1964 bis 1974 107 Mal. In den Jahren 1972 und 1973 bringt die Farbe Grün offensichtlich Glück. Der FC Basel holt erneut zweimal hintereinander die Meistertrophäe. Erst mit vier Punkten Vorsprung auf den FC Zürich, im Folgejahr mit dem selben Vorsprung auf GC. Es sind die Ligatitel fünf und sechs für den FCB.

Im Cupfinal mutiert der FCZ langsam zum Angstgegner der Basler. Nach der Finalniederlage von 1970 hat der Erzrivale auch 1972 (1:0) und 1973 (n.V. 2:0) die Nase vorn. Offizieller FCB-Ausrüster war damals der französische Sportartikelhersteller Le Coq sportif, dessen Logo in Form eines weissen Hahns auf dem grünen Shirt zu sehen ist.

 

 

Hätten Sie das Trikot wieder erkannt? Hier streckt sich der Basler Goalie Marcel Kunz vergeblich.

Hätten Sie das Trikot wieder erkannt? Hier streckt sich der Basler Goalie Marcel Kunz vergeblich. © Keystone

1976: Der erste Trikot-Sponsor

In der Saison 1976/77 trägt der FC Basel Adidas und hat erstmals einen Trikotsponsor. Der Schriftzug des Reiseunternehmens Guarnaccia prangt für eine Saison auf den Shirts. Neben dem blauen Trikot, das zwar etwas eingegangen ist, aber Eder Balanta trotzdem noch passt, gibt es auch eine rote, eine weisse und eine rotblaue Variante.

Einen Titel gibt es in diesen Trikots ebenfalls zu feiern. In der regulären Meisterschaft wird der FCB hinter Servette Genf zwar nur Zweiter. Doch weil es damals eine Finalrunde gibt, kann Basel Genf noch einholen. Es kommt zum Entscheidungsspiel auf neutralem Grund. Im Berner Wankdorf-Stadion treffen Walter Mundschin und Arthur von Wartburg für Rotblau. Der FC Basel schlägt Servette mit 2:1 und feiert seinen siebten Meistertitel. Der erfolgreichste Schütze für die Benthaus-Elf ist mit zehn Treffern der damals 18-jährige Erni Maissen.

 

Walter Mundschin präsentiert am 28. Juni 1977 im Wankdorf-Stadion in Bern den 50'000 Zuschauern stolz den Meisterbecher. Der FCB ist nach dem 2:1-Sieg im Entscheidungsspiel gegen Servette Meister.

Walter Mundschin präsentiert am 28. Juni 1977 im Wankdorf-Stadion in Bern den 50’000 Zuschauern stolz den Meisterbecher. Der FCB ist nach dem 2:1-Sieg im Entscheidungsspiel gegen Servette Meister. © Keystone

1984 bis 1986: Konstant bergab mit PAX-Trikots

Die Versicherung auf den Shirts bringt offensichtlich kein Glück. Albian Ajeti hat bei unserem Fotoshooting fast jedes Trikot einmal an. Am Ende entscheidet er sich für das Exemplar aus der Saison 1985/86. In der 16 Teams umfassenden NLA wird der FCB zum Saisonabschluss Zehnter. Den Abwärtstrend kann auch Helmut Benthaus nicht stoppen. Der Erfolgstrainer war 1982 nach Stuttgart abgewandert, kam aber 1985 für zwei Jahre als Trainer nach Basel zurück. Die sportliche Talfahrt des FCB endet 1988 mit der Relegation in die NLB.

Der deutsche Weltmeister Paul Breitner zieht 1994 - ebenfalls im PAX-Trikot - bei einem Hallenturnier an St. Gallens Christian Gross vorbei.

Der deutsche Weltmeister Paul Breitner zieht 1994 – ebenfalls im PAX-Trikot – bei einem Hallenturnier an St. Gallens Christian Gross vorbei. © Keystone

1994: Pululu muss ins Aufstiegstrikot

Keiner der aktuellen FCB-Spieler will in das gelbe NLB-Trikot schlüpfen. Weil Afimico Pululu als Letzter eintrifft, muss er in den sauren Apfel beissen. Dabei sind mit diesem Shirt viele positive Erinnerungen verbunden. Nach sechs Jahren Zweitklassigkeit gelingt dem FC Basel unter dem neuem Trainer Claude «Didi» Andrey der Aufstieg. Dario Zuffis Freistosstreffer zum 1:1 beim Genfer Vorstadtklub Etoile Carouge bringt am drittletzten Spieltag der Saison die Gewissheit: Der FCB ist zurück im Oberhaus.

Statt mit dem Car kehrt die Mannschaft mit einem Sonderflug der Crossair nach Basel zurück. Die lokale Fluglinie hat den Aufsteiger freundlicherweise eingeladen, damit die spontane Aufstiegsparty am Barfüsserplatz früher beginnen kann. Der entscheidende Punkt wird in roten Trikots geholt. Doch auch in diesen gelben Ausweichshirts sammelt der FCB wichtige Siege.

 

Portrait von Didier Andrey, Trainer des FC Basel, aufgenommen 1994 in Basel.

Portrait von Claude „Didi“ Andrey, Trainer des FC Basel, aufgenommen 1994 in Basel. © Keystone

1998: Im Hockeyshirt wird abgerissen

Anschliessend nehmen sie gemeinsam mit den Spatenstechern, Fackelträgern und Ballbuben auf dem Spielfeld und dem Publikum auf den Rängen Abschied vom alten Joggeli. In den folgenden Tagen wird das für die WM 1954 errichtete Stadion abgerissen und mit den Bauarbeiten für den neuen St. Jakobpark begonnen. Sportlich verläuft das vierte Jahr nach dem Aufstieg unspektakulär. In der Meisterschaft ist der FCB im Mittelfeld anzutreffen und wird Sechster, im Cup ist gegen das zweitklassige Nyon früh Endstation.

 

Die Basler Mario Frick, Marco Tschopp und Atilla Sahin (von links) helfen nach dem Schlusspfiff das Tor wegzuräumen.

Die Basler Mario Frick, Marco Tschopp und Atilla Sahin (von links) helfen nach dem Schlusspfiff das Tor wegzuräumen. © Keystone

2002: Blauweisser FCB feiert in Europa

Der FCB holt in Liverpool dank eines Treffers von Julio Hernán Rossi ein 1:1 und qualifiziert sich als Zweiter vor den Reds für die Zwischenrunde. Dort geht es wieder nach England. Auch bei Manchester United holt der FCB ein 1:1. Diesmal ist Rossis Landsmann Christian Giménez der Torschütze. Am Ende verpasst der FCB den Viertelfinal nur wegen der schlechteren Tordifferenz. Die europäischen Sternstunden kosten Kraft. Der FCB gewinnt zwar zum sechsten Mal den Cup, in der Meisterschaft wird Basel aber nur Zweiter.

 

Im Video: Alle FCB-Tore dieser Champions-League-Kampagne 

 

2006: Die Schande von Basel

Fans prügeln sich, Petarden werden geworfen, Spieler gejagt. Während der Meisterpokal auf der Tribüne überreicht wird, spielen sich auf dem Rasen wüste Szene ab. Die Ausschreitungen gehen auch ausserhalb des Stadions weiter. Die traurige Bilanz: 115 Verletzte und ein Sachschaden von 500 000 Franken. Auch im Cup-Viertelfinal zieht Basel gegen den FCZ den Kürzeren. Im Uefa Cup verspielt der FCB gegen Middlesbrough nach einem 2:0 Hinspiel-Sieg und 1:0 Führung im Rückspiel den Einzug in den Halbfinal.

 

 

Im Video: Die Schande von Basel

2008: In Gedenken an Barcelona

Das rotblau gestreifte Trikot, das an den FC Barcelona erinnert, schnappt sich Noah Okafor. Er ist acht Jahre alt, als der FCB zu Hause gegen Lionel Messi und Co mit 0:5 untergeht. Immerhin gelingt im Rückspiel ein Exploit. Durch Eren Derdiyoks Treffer zum 1:1 entführt Basel einen Punkt aus dem Camp Nou.

 

 

Lionel Messi beschäftigt bei seinem Gastspiel im Joggeli gleich mehrere Basler und ist am Ende trotzdem mit Barcelona 5:0 siegreich.

Lionel Messi beschäftigt bei seinem Gastspiel im Joggeli gleich mehrere Basler und ist am Ende trotzdem mit Barcelona 5:0 siegreich. © Keystone

2011: Erfolgreicher geht es kaum

Dazu kommen der Cupsieg und ein Champions-League-Achtelfinal gegen Bayern München, wo der FCB das Hinspiel durch einen Treffer von Valentin Stocker mit 1:0 gewinnt. Drei Wochen glaubt ganz Basel an den Coup. Doch im Rückspiel zerstören die Bayern beim 0:7 jegliche Träume. Granit Xhaka mausert sich in dieser Zeit zum unverzichtbaren Stammspieler. Klar, dass Bruder Taulant in dessen Trikot schlüpft.

 

Valentin Stocker jubelt, Bayern Arjen Robben ist betrübt. Soeben hat der FCB gegen Bayern mit 1:0 gewonnen.

Valentin Stocker jubelt, Bayern Arjen Robben ist betrübt. Soeben hat der FCB gegen Bayern mit 1:0 gewonnen. © Keystone

2017: Die vorerst letzten Titel

In der Champions League bleiben die Erfolge aber aus. Der FCB verliert nicht nur gegen Arsenal und Paris Saint Germain, am Ende sind sogar die Bulgaren aus Rasgrad besser klassiert. Es folgt der Umbruch. Trainer Urs Fischer muss gehen. Der neue Präsident Bernhard Burgener und der neue Sportchef Marco Streller rufen das Konzept «Für immer Rotblau» aus. Sie wollen vermehrt auf Eigengewächse setzen.

 

Fasnacht im Sommer: Der FCB feiert mit einem Cortege den zweiten Stern.

Fasnacht im Sommer: Der FCB feiert mit einem Cortege den zweiten Stern. © Keystone

 Weitere historische FCB-Trikots aus der Sammlung von Lorenz Schumacher gibt es auf www.fcbtrikots.ch

Alle FCB-Sternstunden in der Champions League:

 

Dieser Artikel wurde der Jubiläums-Beilage zum 125. Geburtstag des FCB in der bzBasel veröffentlicht.